Besuch im Schloss
Die beiden 4. Klassen besuchten in den letzten Tagen das Schloss Johannisburg.

Wer von den Kindern bisher nicht an Gespenster glaubte, der wurde jetzt eines besseren belehrt: gleich in der Eingangshalle kam uns Thekla entgegen und wir erschraken ein wenig wegen ihrer ungewöhnlichen Erscheinung. Aber Thekla beruhigte uns schnell mit ihrer freundlichen und warmherzigen Stimme und lud uns ein, sie auf der Reise in die Zeit, in der sie lebte, zu begleiten.
Zunächst zeigte sie uns das Schloss, wie es zu ihrer Zeit aussah. Sie erzählte von ihrer Familie, die auf diesem Schloss einst lebte: der Vater war Stallknecht und die Mutter eine Küchenmagd und sie war vor ca. 400 Jahren noch ein Kind. Sehr eindrucksvoll berichtete sie von der Zerstörung des Schlosses und wie sie plötzlich zum Nacht- Gespenst geworden war. Einmal hatte sie die Geisterstunde verschlafen und wachte erst um 12.00 Uhr Mittags auf. Plötzlich war ihr weißes Gewand ganz dunkel geworden und viele Dinge aus ihrer Zeit gab es nicht mehr: z.B. sah sie am Himmel riesige Vögel aus Metall fliegen, hörte aber keinen Vogelgesang. In der Stadt war es laut und seltsame  stinkende Kutschen fuhren wie von Geisterhand gesteuert durch die Straßen. Aber Thekla fand es aber auch wieder gut, dass sie jetzt ein Tag-Gespenst ist, denn nun könne sie den Menschen unserer Zeit erzählen, wie es früher war.
Das Schloss gab Sicherheit und bei Gefahr war im Schlosshof ein munteres Treiben zu sehen: Junge, Alte, Kinder und Tiere aller Art: alle fanden Schutz in der Burg. Natürlich mussten die Bauen im November ihren Zehnten dem Schlossherrn abgeben.
Während die Jungen schon mit 6 Jahren in den Dienst eines Knappen gestellt wurden und alle Ritter- und Kampfestugenden erlernten, bis sie endlich zum Ritter geschlagen wurden, lernten die Mädchen zu Hause bei den Frauen die Haushaltsführung, Handarbeiten und Gesellschaftsspiele kennen. Sie konnten sich ihren Ehemann nicht aussuchen, sondern wurden von den Eltern schon als Kind einem Mann versprochen, den sie erst bei der Hochzeit kennenlernten.
Wir erfuhren, wie die Ritter damals kämpften, welche Rüstungen und Waffen sie trugen und wie sie sich mit dem Schild vor dem Gegner und in der Wüste mit einem Tuch vor dem Sand und der Hitze schützten.
Nun hatte das Schloss schon sehr dicke Mauern, aber noch mehr staunten wir über die Dicke der Mauern des Bergfriedes. Wir durften die Dicke auch ausmessen. Aber: waren es jetzt 8, oder 9 oder vielleicht sogar 10 Fuss? Wir maßen die Mauer mit der Elle nach und auch mit dem Spann: wir konnten uns nicht einigen, wie dick die Mauer  wirklich war. Aber genauso erging es den Menschen damals auch und so legte man die Maßeinheit fest: ein Fuss entspricht damals etwa 30 cm.
Leider musste uns Thekla nach einer fast zweistündigen Führung wieder verlassen: das ist ja auch sehr anstrengend für ein vierhundert Jahre altes Taggespenst mit so vielen neugierigen Kindern, die sehr gespannt den Berichten lauschten und sehr viel vom Mittelalter gelernt haben. Wir bedankten uns bei Thekla ganz herzlich für die wunderbaren, lebendigen Eindrücke aus ihrer Zeit.